Urlaubswein

Für diese recht eigentümliche „Sorte" Wein ist es schwer, die richtige Bezeichnung zu finden - und zugegeben: Ihn gibt es so in vermutlich keinem Weinlexikon, denn es ist nur eine kreative Bezeichnung für die Sorte Wein, der dort am besten schmeckt, wo man gerade Urlaub macht, oder gerne Urlaub machen würde.

Wer kennt das nicht? Man sitzt in einer kleinen Bar, einer Taverne oder auf der Terrasse irgendwo auf der Welt, an einem klapprigen alten Tisch und trinkt ein köstliches Glas Wein, besinnlich alleine oder mit dem liebsten Menschen an der Seite. Gemeinsam schaut man auf das Meer hinaus, riecht den Duft des Meeres, saugt das Land und seine Leute auf. Als Erinnerung an diesen wunderbaren Moment, an diesen Urlaub voller Eindrücke und Erlebnisse, nimmt man sich mindestens eine, vielleicht auch zwei oder drei Flaschen dieses Weines mit. Voller Erwartungen und Vorfreude öffnet man diese Flasche nun zu Hause, möchte sich ein paar Bilder ansehen, doch muss feststellen, dass der Wein „grauenhaft" schmeckt. Was ist mit dem Wein passiert? So sehr man auch überlegt und grübelt, in den allermeisten Fällen gibt es nur eine plausible Erklärung: Ein Urlaubswein schmeckt nur da, wo er hingehört - in den Urlaub!

Bei ihm sind es nicht die Aromen, nicht die Reben, nicht die Ausbaumethode, nicht das Anbaugebiet, sondern es ist das Bauchgefühl, die Haltung, der Moment, die Sinnlichkeit des Herzens, die diesen Wein so besonders machen. Jeder Wein hat die Chance, ein Urlaubswein zu sein - egal, wie extraktreich, wie gehaltvoll, wie mild, wie süß, ob Premiumklasse oder Tetrapak. Vielleicht ist es vermessen zu sagen, ein Urlaubswein schmeckt dort, wo der Verstand zu Hause bleiben darf.

In diesem Sinne, eine gute Reise!